Wandersleben, Schröter - Orgel


erbaut 1724  -  restauriert 1995...96

Orgel zu Wandersleben

 

Disposition:

Hauptwerk

Oberwerk

Pedal

Quintatön 16' S/N   Principal 4' N [S]   Violon 16' N
Principal 8' N [S]   Quintatön 8' S/N   Subbaß 16' S
Grob Gedact 8' S   Gedact 8' S/N   Octavbaß 8' S
Octave 4' S/N   Gemshorn 4' S   Posaune 16' N
Quinte 3' S/N   Nachthorn 4' S        
Sesquialtera 2f. S/N   Octave 2' S/N        
Octave 2' S/N   Tertian 2f. S/N        
Mixtur 4f. N [S]   Scharff 3f. N   Pedalkoppel    
Cimbel 3f. N           Manualkoppel    
Viola di Gamb 8' N   Glockenspiel       Calcant    
Trombeta 8' N           Tremulant    

Tonhöhe: 2 HT über normal
Stimmung: Neidhard III
 
Tonumfang:
Manuale: C,D...c3
Pedal: C,D...c1
S = Schröter, vorwiegend original
N = neu, rekonstruiert bzw. ergänzt
[S] = einige originale Pfeifen die nicht mehr
verwendbar waren, erhalten und eingelagert

Detail der Orgel zu Wandersleben

Spielanlage vor der Restaurierung

Spielanlage nach der Restaurierung

Der Auftrag zum Bau einer neuen Orgel erging am 22. Jan. 1724 an den Erfurter Orgelmacher Johann Georg Schröter. Bereits am 26. Januar 1724 wurde der Vertrag geschlossen. J.S. Schmaltz, der von 1740-1751 seine Werkstatt in Wandersleben, danach als Hoforgelmacher in Arnstadt hatte, führte 1760 eine Reparatur und eine Erweiterung um einen Violonbaß aus.
1770 wurde das Werk mit einem Glockenspiel versehen. Nach dem Tod von Schmalz übernahm dessen Schwiegersohn L.W. Hähnert aus Arnstadt die Pflege. Um 1830 baute Hähner eine neue Klaviatur ein und fügte Hohlflöte 8' statt der Trompete 8' ein. Außerdem erwähnt er im OW ein Tertian statt Quinte 1 ½, und eine Hohlflöte 2' statt der Spitzflöte 2'.
Für 1845 und 1862 sind Arbeiten der Schmiedefelder Werkstatt F.W Holland bezeugt.

Der gravierendste Umbau der Orgel dürfte vermutlich 1896 durch Hugo Böhm, damals noch Waltershausen, erfolgt sein (belegt durch Inschrift in der Orgel). Die originale Balganlage wurde hierbei abgebrochen und statt dessen ein Magazinbalg mit Schöpfer eingebaut. Die alten Pedalwindladen wurden über diesem angeordnet und mit einer neuen Register- und Tontraktur (zum Teil strahlenförmig) angeschlossen. Auch die Kanalanlage wurde völlig erneuert. In Zusammenhang mit diesem Umbau mußte natürlich auch das Tragwerk geändert werden. Bei diesem oder einem weiteren Umbau war sogar ein Schwellkasten für das Oberwerk geplant, wie ein entsprechender Ausschnitt im alten Pedalvorsatzbrett und diverse Füllungen auf der Empore bezeugten. Daß er tatsächlich zur Ausführung kam ist eher unwahrscheinlich. Das Glockenspiel erhielt eine pneumatische Traktur (vermutlich die alten Glocken). Eine genaue Zuordnung dieser letzten Arbeiten war mangels Unterlagen nicht möglich. Im weiteren Verlauf verfiel das Instrument immer mehr, wozu auch unvollendete Reparaturarbeiten, Marderschäden und Vandalismus gehörten.

Pfeifenwerk vor der RestaurierungNach Sichtung der erhaltenen Substanz ergab sich, daß kein befriedigender „gewachsener Bestand" erkennbar war. Abgesehen vom desolaten Zustand, dem großteils demontierten Pfeifenwerk erschien auch der Einbau des Magazinbalges nicht gerade glücklich. Die hohe Aufstellung der Pedalladen war sicher Anlaß auf den bereits 1760 eingebauten Violonbaß 16' wieder zu verzichten. Hinzu kam, daß die gesamte Statik des Werkaufbaues unbefriedigend gelöst war und die relativ lange Tontraktur zum Pedal über je zwei zusätzliche Winkel geführt war. Somit wurde von Anfang an eine Rückführung auf den Erbauungszustarekonstruiertes Pfeifenwerknd angestrebt. Nach Sichtung der erhaltenen Schröter-Orgeln, Auswertung der schriftlichen Unterlagen und Spurensuche am Objekt ergab sich jedoch auch für den Urzustand kein eindeutiges Bild. Die urspüngliche Beschaffenheit der Windanlage konnte nicht befriedigend geklärt werden. Vermutlich ist der Prospekt nach hinten gerückt worden, doch selbst das war nicht zu beweisen. Deshalb wurde inOrgel zu Wandersleben diesem Bereich auf eine fragwürdige Rekonstruktion verzichtet und nur ein Regelbalg für das Schleudergebläse aufgestellt. Die Pedalladen konnten wieder nach hinten verlegt und die Trakturen stilistisch passend ergänzt werden. Im Bereich der Manualladen sind Windladen und Trakturen unverändert erhalten. Die Spielanlage wurde nach der einzigen vollständig erhaltenen in Niedernissa kopiert.

Ein Großteil des Pfeifenwerkes mußte rekonstruiert werden, wobei versucht wurde dem Erbauungszustand so nahe wie möglich zukommen. Glockenspiel und Violon 16’ wurden beibehalten, bzw. rekonstruiert.