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Restaurierung 2005
Disposition:
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Salicional |
8' |
ab c° (C-H
gemeinsam mit Gedact 8‘)
Entsprechend der brocken Praxis handelt es sich nicht um einen
Streicher, sondern um einen ca. 6 HT engeres Principalregister. |
| Gedact |
8‘ |
Vermutlich
Pfeifen des 17. Jhd., Ergänzung von C – G |
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Principal |
4' |
Metall |
| Quinte |
2 2/3' |
Metall, Bauform: Rohrflöte |
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Octave |
2' |
Metall |
| Mixtur |
3 f. |
Metall C 1 1/3'
1' 2/3'
Metall c' 2 2/3' 2'
1 1/3' |
Trompete
(Baß / Diskant) |
8' |
große Oktave
mit halber Becherlänge, ab c° volle Länge, Bauform nach
Ochtersum (B. Klausing), jedoch auf den Raum bezogener, individueller
Mensur
Aufgrund der engen Kanzellen (gebohrte Bohlenlade!) und der am
weitesten entfernten Aufstellung vom Tonventil ist die Trompete nicht
auf das Plenum der Orgel zu ziehen, da dies zu Windproblemen führt. |
| Tremulant |
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(Bocktremulant) |
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In der ehemaligen Klosterkirche der Zisterzienserinnen von
Holthausen blieb ein kleines Orgelwerk erhalten. Es wurde als
Brüstungsorgel in die damalige Nonnenempore eingefügt und
seitenspielig eingerichtet. Wie bei vielen historischen Werken in
Westfalen findet sich hier recht alte Substanz, die im Laufe der
Geschichte immer wieder verwendet, aber auch verändert wurde.
Leider scheinen alle Bauakten verloren zu sein, so daß kein
Erbauer zu ermitteln war. Lediglich die Jahreszahl „1764“ über der
Spielanlage gibt einen gewissen Anhaltspunkt, jedoch wurden
bereits damals ältere Teile verwendet, die wohl aus einer anderen
Kirche stammen. Hierzu gehört die Rahmenkonstruktion des Gehäuses,
die Prospektstöcke, der Engel auf dem Mittelturm und ein recht
altes, dickwandiges Bleigedackt mit ausnehmend schönem Klang. Die
meisten Füllungen und das Schnitzwerk wurden, ebenso wie die Trakturen, beim Einbau in die Klosterkirche neu angefertigt.
Außerdem wurde eine Windlade von anderer Herkunft, verwendet. Es
handelt sich hierbei um eine chromatische Bohlenlade, die
ursprünglich einen größeren Tonumfang hatte. Sowohl der über c³ reichende Tonumfang, als auch die chromatische Pfeifenaufstellung
deuten auf ein kammermusikalisches Instrument, welches von seiner
Herkunft schwer einzuordnen ist. Aufgrund der Windladensituation
wurde damals auf den Anschluß von Prospektpfeifen verzichtet. Die
drei Türme weisen Holzattrappen auf, die kleinen Zwischenfelder
Zinnpfeifen ohne Kern, die Längsnähte der Pfeifen sind nur
geheftet. Der Principal 4' steht an dritter Stelle auf der
Windlade. Diese Aufstellung ist zwar ungewöhnlich, aus der
besonderen Umbausituation aber erklärbar und durch alte, in Resten
noch vorhandene Papier-Registerschilder überliefert. Gerade noch
identifizierbar war die Besetzung des letzten Stockes mit einer in
Baß- und Diskantbereich geteilten Trompete. Nicht mehr erkennbar
waren die beiden davor stehenden Register, doch dürfte es sich
dabei nach barocker Praxis um eine Mixtur und eine Octave 2'
gehandelt haben.
Nach 1848 wurde ein Magazinbalg mit Handschöpfer eingebaut und die
Disposition geändert. In den 50er Jahren des 20.Jhd. wurde die
Bohlenlade bis auf zwei Register abgesägt und mit Sperrholz um
zwei Register verlängert. Von den vier Registern war schon damals
wohl nur noch das Gedact 8‘ aus der Erbauungszeit vorhanden. Als
seltener Glücksfall für Westfalen kann die vollständige Erhaltung
der brocken Spielanlage gewertet werden. Der Tonumfang des
Manuales reicht von C, D bis c³, das Pedal ist nur angehängt,
verfügt also nicht über eigene Register und reicht von C, D
lediglich bis d°.
Bei der Restaurierung wurde das Gehäuse, welches seit dem Einbau
des Magazinbalges im unteren Bereich unvollständig geblieben war,
ergänzt und stabilisiert.
Weiterhin wurde die alte Bohlenlade für die insgesamt 7 Register
entsprechend den erhaltenen Registerschlüsseln ergänzt und alle
historischen Teile gewissenhaft instand gesetzt. Es wurde die
mutmaßliche Disposition von 1764 hergestellt, die Pfeifen
entsprechend der Bauweise des Gedact aus dickwandigem, gehämmerten
Blei nach historischen Bauformen gefertigt. Die Stimmtonhöhe liegt
bei 465 Hz / 15°C, die Temperierung wurde nach Werckmeister III
vorgenommen, der Winddruck mit 55mmWS eingerichtet. Die
Restaurierung der Farbfassung wurde durch Albert Hornemann aus
Neudietendorf besorgt.
Obwohl das Instrument über nur 7 Register verfügt, bietet es
zahlreiche klangliche Möglichkeiten. Der akustisch sehr angenehm
veredelnde Raum und die Abstimmung der Register lassen fast alle
möglichen Registerkombinationen als sinnvolle Varianten zu.
Dieses Orgelwerk vermag einen kleinen Eindruck zu vermitteln, wie
interessant und vielfältig die westfälische Orgelbautradition
einst gewesen ist, wovon besonders in den vergangenen Jahrzehnten
viel Substanz durch moderne Umbauten entfernt oder „geglättet“ und
an bestehende Normen und Vorstellungen angeglichen wurde. Dem
sensiblen Musiker, Zuhörer und Betrachter wird der Reiz dieses
Kleinodes nicht verborgen bleiben.
Joachim Stade, Orgelbaumeister

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