 |
Erbauer: Friedrich
Wilhelm Eduard (Fritz) Clewing
Baujahr: 1893
Restaurierung 2007 … 09
10 Register im Manual und 3 Pedalregister

Disposition:
|
Manual |
 |
Pedal |
 |
Tonumfang: Manual: C…f'''
Tonumfang: Pedal: C … c'
Stimmtemperatur: gleichstufig
Tonhöhe: 440 Hz bei 15 °C
Winddruck: 68 mm WS
|
|
Principal |
4' |
|
Octavbass |
4' |
|
| Principal |
8' |
|
Octavbass |
8' |
|
| Bordun |
16' |
|
Subbass |
16' |
|
| Viola di Gamba |
8' |
|
|
|
|
| Gedackt |
8' |
|
|
|
|
| Salicional |
8' |
|
|
|
|
| Quinte |
2
2/3' |
|
|
|
|
| Flautotraverso |
4' |
|
|
|
|
| Octave |
2' |
|
|
|
|
| Mixtur |
2' 3f |
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
Aus der Vorgeschichte
der Orgel
Aus den vorhandenen Archivalien ergibt sich ein nahezu lückenloses Bild
über den Werdegang der Alsberger Orgel, der sich schlüssig mit dem
vorgefundenen Befund zusammenführen läßt. Im Folgenden der Übersicht
halber daraus eine Zusammenfassung:
|
1839: |
3. Juli Vertrag zwischen Joh. Mich. Wagner, Lokalkaplan von
Alsberg und dem Orgelbauer Georg Michel über die Aufstellung einer
gebrauchten Orgel.
|
| 1893: |
Orgelneubau durch Orgelbaumeister Fritz Clewing aus Fulda.
Aus der Vorgängerorgel sollten nach dessen Kostenvoranschlag vom
31.August 1892
folgende Teile wieder verwendet werden:
Für die Viola di Gamba 8':
„die tiefe Octav spricht mit der Principal 8', die übrigen 42
Pfeifen von Zinn, werden aus der alten Orgel entnommen“
Für das Gedackt 8':
„wird zusammengestellt aus dem vorhandenen Gedackt 8' und aus
dem Klein-Gedackt 4'“
Für das Salicional 8':
„die tiefe Octav spricht mit dem Gedackt 8' zusammen, die
übrigen 42 Pfeifen aus Zinn, wird aus der alten Orgel entnommen“
Für die Octav 2':
„wird aus der alten Orgel entnommen“
Für den Subbass 16':
„wird aus der alten Orgel entnommen, und wird mit 7 höhere
Töne erweitert“
Für den Octavbass 8':
„dito, dito“
|
Weitere, für den heutigen Zustand der Orgel relevante Ereignisse:
|
| 1917: |
Ablieferung des Zinnprospektes im Ersten Weltkrieg (nicht direkt
belegt, aber aus dem Nachfolgenden rückzuschließen:)
|
| 1931: |
Einbau neuer Zinkprospektpfeifen und einer neuen Mixtur 2-3fach
durch Orgelbauer K.Dülk, Vertreter der Orgelbaufirma Walcker,
Ludwigsburg
|
| 1935: |
Umdisponierung durch Orgelbaumeister Alban Späth aus Ennetach-Mengen: Neue Gamba 8' d…f''' und neue Quinte 2
2/3' c-f'''
(beide Manual), neue Oktave 4' C…c' (Pedal)
|
| 1952: |
Lieferung und Anschluß eines Orgelmotors (Ventus), Ersatz
schadhafter Mechanikteile und Stimmung durch Alban Späth
|
| um 1970: |
Bemalung der Kirchendecke vor der Orgel mit deren Spiegelbild
|
| 1980er J.: |
Bau eines Verschlages in der Kirchendecke durch ortsansässige
Handwerker.
Vermutlich in Zusammenhang mit diesen Arbeiten erfolgten Arbeiten durch
Fa. Schmidt aus Gelnhausen. |
Die Prospektfront wurde durch Clewing von der Vorgängerorgel übernommen.
Ebenso wurde der vordere Teil des Prospektstockes aus Eiche wieder
verwendet. Jene Orgel war vorderspielig, wie an der Front noch abzulesen
ist. Die Seitenwände mit der neuen Spielanlage wurden von Clewing in
sehr schlichter Bauweise neu angefertigt. Die beiden Öffnungen über dem
Spieltisch und an der gegenüberliegenden Seite wurden mit einem
Drahtgeflecht, ähnlich einem Kaninchenstall, versehen. Die Rückseite
wurde mit ungehobelten Brettern vernagelt. Die Seitenwände schließen
nicht an die alten Gehäusepfosten an, da die neue Windlade breiter war.
Die Vorderkanten werden nur durch die Schleier (geschnitzte Ohren)
verdeckt. Da die Deckenhöhe der Kirche nicht für die Orgel ausreicht,
wurde sie in den Dachboden hinein gebaut. Ursprünglich dürfte nur ein
sehr mangelhafter Verschlag hierfür existiert haben. Als in den 80er
Jahren eine Erneuerung erfolgte, mussten die tiefen Holzpfeifen des
Principal 8' hierfür gekröpft werden.
Die Füllungen der Seitenwände waren mit sichtbaren Holzschrauben oder
Nägeln befestigt.
Besonderheiten bei der Umsetzung der Konzeption der Restaurierung:
Die Schäden durch den Anobienbefall erwiesen sich, wie häufig, größer,
als nach äußerem Anschein zu vermuten war. Insbesondere mussten
zahlreiche Mechanikteile und Teile von Holzpfeifen ersetzt werden.
Die Fußbodenbretter waren völlig zerstört, so dass keinerlei
Standfestigkeit mehr für die darauf montierten Orgelteile bestand.
Deshalb musste zusätzlich eine neue Dielung eingebaut werden.
Die Drahtgeflechte in den Seitenwänden wurden entfernt und durch ein
Diagonalgitter aus dünnen Holzleisten ersetzt.
Solider gefertigt wurden die z.T. zusammengebastelten
Pfeifenanhängungen, der veränderten Register, statt der verwendeten
Wäscheleinen wurden Stifte eingeschlagen und Haften angelötet bzw. in
die Holzpfeifen eingebohrt.
Das Notenpult war nicht zur Aufstellung von Noten geeignet (senkrechtes
Brett, zu schmale Leiste), deshalb fertigten wir ein zusätzliches Pult
in Rahmenbauweise, welches in dem Kasten befestigt wurde.
| |
 |
 |
|
Schlußbemerkung
Die Orgel in Alsberg hat eine lange, wechselvolle Geschichte. Viele
Änderungen der Vergangenheit wurden sehr pragmatisch, ohne besonderen
ästhetischen Anspruch vorgenommen. Hinzu kamen die starken Schäden durch
Anobienbefall. Wir haben versucht, die historisch gewachsene Substanz
nun in einen soliden Zustand zu versetzen und so zu einem Ganzen zu
verbinden, dass hier wieder ein Organismus entsteht, der möglichst auf
lange Sicht Bestand hat und den Anforderungen an ein Musikinstrument zum
Gotteslob gerecht wird. Dabei wurde dem denkmalpflegerischen
Anliegen,
möglichst viel Substanz zu erhalten, soweit möglich entsprochen.
Wesentlich war die grundlegende Restaurierung der Windladen, so dass
nunmehr eine gleichbleibende Windversorgung der Pfeifen gewährleistet
ist. Somit sind Intonation und Stimmung stabiler und die Mechanik ist
weniger störanfällig.
Wir wünschen der Gemeinde, dass sie sich lange an ihrer historischen
Orgel erfreuen kann und die Organisten wieder Freude am Spiel haben.
Möge dieses Werk noch lange zum Lobe Gottes erklingen!
Joachim Stade
- Orgelbaumeister -

|
 |